Mittwoch, 17. Oktober 2012

Brasilien ist auch in Europa

Um endlich unsere Visa zu erhalten, mussten wir einen Kurzbesuch in Europa einlegen. Unser Flug ging am 05.10. von Sao Paulo über München nach Köln. Doch ganz so einfach verlief die Reise nicht... 
Zuerst einmal sind wir ohne größeren Stau am Flughafen Guarulhos angekommen und haben so glücklicherweise ausreichend Puffer um uns mit den Mitarbeitern der Policia Federal die Zeit zu vertreiben und nicht den Start zu verpassen. 
Für die meisten Europäischen Länder gilt, dass deren Staatsangehörige sich 2x 90 Tage oder 180 Tage insgesamt in 12 Monaten ohne Visum in Brasilien aufhalten dürfen. Eine offizielle Verlängerung der ersten 90 Tage durch die Policia Federal ist jedoch unumgänglich. Diese Verlängerung haben wir im August bereits erhalten und dürfen uns beide bis maximal 02. November im Land aufhalten und so steht das bis heute noch in unseren Pässen.
Wie man sieht lässt sich dies kurz und knapp mit drei Sätzen erklären. Die sympathische Mitarbeiterin bei der Passkontrolle hat allerdings keinerlei Erklärungsbedürfnis. Vielleicht ist sie im zweiten Job Wissenschaftlerin, denn sie hält jegliche Kommunikation für unnötig und entschwindet samt meinem Pass. Nach 25 Minuten kommt sie zurück und fragte mich nach einem Stift, damit ich die von ihr mitgebrachten Papiere unterschreiben könne. Mit meiner Unterschrift soll ich bestätigen, dass ich eine Strafe in Höhe von BRL 238,88 für die unerlaubte Überschreitung der 90 Tage um 32 Tage akzeptiere. Das lehne ich entschieden ab. 
Vorsicht! Wiederholung: Für die meisten Europäischen Länder gilt, dass deren Staatsangehörige sich 2x 90 Tage oder 180 Tage insgesamt in 12 Monaten ohne Visum in Brasilien aufhalten dürfen. Eine offizielle Verlängerung der ersten 90 Tage durch die Policia Federal ist obligatorisch. Diese Verlängerung haben wir im August erhalten und dürfen uns daher bis 02. November im Land aufhalten. Dieses Datum steht in den Pässen.
Kommunikation hätte der jungen Dame Arbeit erspart. Nach meiner Erklärung und dem in Augenschein nehmen meiner offiziellen Verlängerung entschwindet sie erneut für ca. 15 Minuten darf sämtliche zuvor getätigten Eingaben im Computer löschen, sich anschließend bei mir für den Vorfall entschuldigen und mich meiner Wege ziehen lassen. 

Relativ pünktlich verlassen wir Sao Paulo, wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass wir ein paar zusätzliche Flugmeilen sammeln sollen. Alle Klischees werden nun nämlich bedient. Volltrunkene Russen im Flugzeug (leider unmittelbar neben uns), die zu randalieren beginnen und die übrigen Passagiere angreifen. Mit Unterstützung weiterer Passagiere werden zwei Teilnehmer dieser heiteren Reisegruppe überwältigt und mit Kabelbindern gefesselt. Da sich diese Reisegruppe durch ihr Verhalten "entschlossen" hatte nicht weiter mit uns zu reisen, wird ein ungeplanter Zwischenstopp in Recife eingelegt, um den Herren die Möglichkeit zu bieten, ihren Rausch schön komfortabel, nicht in einem unbequemen Flugzeugstuhl, sondern in einem Bett in einem brasilianischem Gefängnis auszuschlafen.
Resultat der ganzen Aktion: 5 Stunden Verspätung, notwendiges Umbuchen von ca. 100 Passagieren auf andere Flüge, Abwurf von 40t Kerosin über dem Nordosten von Brasilien damit die Maschine überhaupt landen kann. Vermutlich hat keiner der Beteiligten je zuvor eine so hohe Rechnung wie in diesem Fall für das Zechen erhalten.

Montagmorgen (08.10.) müssen wir zum brasilianischen Generalkonsulat in Frankfurt. Um ein Visum zu erhalten ist es nämlich zwingend erforderlich mindestens einmal persönlich im Konsulat zu erscheinen. Entweder bei der Passabgabe oder dessen Abholung. 
An die Arbeitsweise der brasilianischen Behörden haben wir uns nun schon seit ein paar Monaten gewöhnt. Daher ist es nicht überraschend für uns, dass man uns erklärte unser Vorgang sei überhaupt nicht bekannt. Man müsse Nachforschungen anstellen was mit den Papieren passiert sei und in 2 - 3 Tagen wird man sich wieder bei uns melden (wohlgemerkt soll unser Rückflug am 14.10. erfolgen). Die 2 - 3 Tage sind erfreulicherweise bereits am nächsten Tag rum. Man hat festgestellt, dass es sich um ein Kommunikationsproblem gehandelt hat, und man wird unseren Vorgang jetzt bearbeiten. So die Information am Telefon.... Also wieder nach Frankfurt. Dort wäre es aber auch zu schön wenn alles reibungslos funktioniert. Man eröffnete mir, dass lediglich für mich und nicht für Zsuzsanna ein Visum ausgestellt werden kann. Zsuzsanna ist in dem ganzen Prozess nirgends aufzufinden und muss einen separaten Antrag stellen. 
Aufgrund der Zeitverschiebung kann ich noch nicht mit der zuständigen Anwältin in Brasilien sprechen und muss mit Zsuzsannas Unterlagen wieder abziehen. Ca. 1,5 Stunden bekomme ich Zeit um mir während der Fahrt ausgiebig Gedanken über das brasilianische Abenteuer zu machen, dann klingelt das Telefon. Der Mitarbeiter im Konsulat hat einen Fehler gemacht, selbstverständlich kann man auch Zsuzsanna ein Visum ausstellen. Also wieder nach Frankfurt... 

Man stellt mir in Aussicht die Visa bis Freitag auszustellen. Freitagmorgen, Frankfurt, die Frisur sitzt, die Visa sind... nicht fertig. Ich soll mich ein paar Minuten gedulden. Rund zwei Stunden später wird mein Name aufgerufen, eine Unterschrift, "guten Flug", wir haben unsere Visa!

Vor unserem Abflug aus Sao Paulo sind wir davon ausgegangen, dass das Konsulat in Frankfurt wohl doch eher strukturiert, eben wie in Europa üblich, arbeitet. Brasilien ist aber eben doch auch in Europa.

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