Um endlich unsere Visa zu erhalten, mussten wir einen Kurzbesuch in Europa
einlegen. Unser Flug ging am 05.10. von Sao Paulo über München nach Köln. Doch
ganz so einfach verlief die Reise nicht...
Zuerst einmal sind wir ohne größeren Stau am Flughafen Guarulhos angekommen
und haben so glücklicherweise ausreichend Puffer um uns mit den Mitarbeitern
der Policia Federal die Zeit zu vertreiben und nicht den Start zu
verpassen.
Für die meisten Europäischen Länder gilt, dass deren Staatsangehörige sich
2x 90 Tage oder 180 Tage insgesamt in 12 Monaten ohne Visum in Brasilien
aufhalten dürfen. Eine offizielle Verlängerung der ersten 90 Tage durch die
Policia Federal ist jedoch unumgänglich. Diese Verlängerung haben wir im August
bereits erhalten und dürfen uns beide bis maximal 02. November im Land
aufhalten und so steht das bis heute noch in unseren Pässen.
Wie man sieht lässt sich dies kurz und knapp mit drei Sätzen erklären. Die sympathische
Mitarbeiterin bei der Passkontrolle hat allerdings keinerlei
Erklärungsbedürfnis. Vielleicht ist sie im zweiten Job Wissenschaftlerin, denn
sie hält jegliche Kommunikation für unnötig und entschwindet samt meinem Pass.
Nach 25 Minuten kommt sie zurück und fragte mich nach einem Stift, damit ich
die von ihr mitgebrachten Papiere unterschreiben könne. Mit meiner Unterschrift
soll ich bestätigen, dass ich eine Strafe in Höhe von BRL 238,88 für die
unerlaubte Überschreitung der 90 Tage um 32 Tage akzeptiere. Das lehne ich
entschieden ab.
Vorsicht! Wiederholung: Für die meisten Europäischen Länder gilt, dass deren
Staatsangehörige sich 2x 90 Tage oder 180 Tage insgesamt in 12 Monaten ohne
Visum in Brasilien aufhalten dürfen. Eine offizielle Verlängerung der ersten 90
Tage durch die Policia Federal ist obligatorisch. Diese Verlängerung haben wir
im August erhalten und dürfen uns daher bis 02. November im Land aufhalten.
Dieses Datum steht in den Pässen.
Kommunikation hätte der jungen Dame Arbeit erspart. Nach meiner Erklärung
und dem in Augenschein nehmen meiner offiziellen Verlängerung entschwindet sie
erneut für ca. 15 Minuten darf sämtliche zuvor getätigten Eingaben im Computer
löschen, sich anschließend bei mir für den Vorfall entschuldigen und mich
meiner Wege ziehen lassen.
Relativ pünktlich verlassen wir Sao Paulo, wissen zu diesem Zeitpunkt noch
nicht, dass wir ein paar zusätzliche Flugmeilen sammeln sollen. Alle Klischees
werden nun nämlich bedient. Volltrunkene Russen im Flugzeug (leider unmittelbar
neben uns), die zu randalieren beginnen und die übrigen Passagiere angreifen.
Mit Unterstützung weiterer Passagiere werden zwei Teilnehmer dieser heiteren
Reisegruppe überwältigt und mit Kabelbindern gefesselt. Da sich diese
Reisegruppe durch ihr Verhalten "entschlossen" hatte nicht weiter mit
uns zu reisen, wird ein ungeplanter Zwischenstopp in Recife eingelegt, um den
Herren die Möglichkeit zu bieten, ihren Rausch schön komfortabel, nicht in
einem unbequemen Flugzeugstuhl, sondern in einem Bett in einem brasilianischem
Gefängnis auszuschlafen.
Resultat der ganzen Aktion: 5 Stunden Verspätung, notwendiges Umbuchen von
ca. 100 Passagieren auf andere Flüge, Abwurf von 40t Kerosin über dem Nordosten
von Brasilien damit die Maschine überhaupt landen kann. Vermutlich hat keiner
der Beteiligten je zuvor eine so hohe Rechnung wie in diesem Fall für das
Zechen erhalten.
Montagmorgen (08.10.) müssen wir zum brasilianischen Generalkonsulat in
Frankfurt. Um ein Visum zu erhalten ist es nämlich zwingend erforderlich
mindestens einmal persönlich im Konsulat zu erscheinen. Entweder bei der
Passabgabe oder dessen Abholung.
An die Arbeitsweise der brasilianischen Behörden haben wir uns nun schon
seit ein paar Monaten gewöhnt. Daher ist es nicht überraschend für uns, dass
man uns erklärte unser Vorgang sei überhaupt nicht bekannt. Man müsse
Nachforschungen anstellen was mit den Papieren passiert sei und in 2 - 3 Tagen
wird man sich wieder bei uns melden (wohlgemerkt soll unser Rückflug am 14.10.
erfolgen). Die 2 - 3 Tage sind erfreulicherweise bereits am nächsten Tag rum.
Man hat festgestellt, dass es sich um ein Kommunikationsproblem gehandelt hat,
und man wird unseren Vorgang jetzt bearbeiten. So die Information am
Telefon.... Also wieder nach Frankfurt. Dort wäre es aber auch zu schön wenn
alles reibungslos funktioniert. Man eröffnete mir, dass lediglich für mich und
nicht für Zsuzsanna ein Visum ausgestellt werden kann. Zsuzsanna ist in dem
ganzen Prozess nirgends aufzufinden und muss einen separaten Antrag
stellen.
Aufgrund der Zeitverschiebung kann ich noch nicht mit der zuständigen
Anwältin in Brasilien sprechen und muss mit Zsuzsannas Unterlagen wieder
abziehen. Ca. 1,5 Stunden bekomme ich Zeit um mir während der Fahrt ausgiebig
Gedanken über das brasilianische Abenteuer zu machen, dann klingelt das
Telefon. Der Mitarbeiter im Konsulat hat einen Fehler gemacht,
selbstverständlich kann man auch Zsuzsanna ein Visum ausstellen. Also wieder
nach Frankfurt...
Man stellt mir in Aussicht die Visa bis Freitag auszustellen. Freitagmorgen,
Frankfurt, die Frisur sitzt, die Visa sind... nicht fertig. Ich soll mich ein
paar Minuten gedulden. Rund zwei Stunden später wird mein Name aufgerufen, eine
Unterschrift, "guten Flug", wir haben unsere Visa!
Vor unserem Abflug aus Sao Paulo sind wir davon ausgegangen, dass das
Konsulat in Frankfurt wohl doch eher strukturiert, eben wie in Europa üblich,
arbeitet. Brasilien ist aber eben doch auch in Europa.
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